[Praxisalltag] Dreistigkeit im Doppelpack

Mittwoch.
09:38 Uhr.
Das Telefon klingelt.
Lächeln.
Abheben.
Sehr große Praxis Drs. Gelenkversteher, Sie sprechen mit Frau Himmelsblau, guten Morgen~

Ein Herr Krummwirbel schnauft in mein Ohr. Rücken. So schlimm. Nächste Woche habe er einen Termin, aber es sei so schlimm. Ob er nicht gleich, bitte bitte, kommen dürfe? Es gehe nicht mehr.

Ich checke seufzend den Planer. Die nächsten drei Wochen sind dicht, komplett, keine zwei Minuten mehr.. da entdecke ich eine Absage. In 30 Minuten wäre ein Termin frei – ob der Herr denn in der Zeit da sein könnte?

Ja, natürlich, sofort würde er sich auf den Weg machen.
Lächeln.
Auflegen.
Einem Menschen den Tag gerettet.

Schön wär’s.
10:48 Uhr.
Die Praxistür öffnet sich.
Zwei Personen treten ein, augenscheinlich ein Ehepaar.

„Ja Morgen, ich hatte angerufen, Krummwirbel ist mein Name. Und meine Frau, die habe ich auch mal mitgebracht, die hat Schmerzen in den linken Zehen seit drei Wochen. Die kommt dann mit mir rein!“

Mein Lächeln gefriert. Arktische Winde in der Praxis Gelenkversteher. Eisiges Schweigen bei den Kolleginnen.
Wir denken alle in etwa das Gleiche. Mordgelüste.
Doc Patientenversteher schiebt heute alleine Dienst – und Doc Patientenversteher nimmt sie alle an die Reihe. Manchmal schimpfend, aber er nimmt sie alle dran. Und redet und redet und lässt reden und reden. Und kümmert sich einen Feuchten drum, ob die Leute pünktlich kommen oder nicht oder ob sie die halbe Familie mitbringen. Von Patientenerziehung hat er noch nie etwas gehört. Oder er arbeitet so gerne, dass er nicht mehr nach Hause will. Im Gegensatz zu seinen Angestellten.

Es gibt keine Möglichkeit, nur einen der beiden Patienten ins Zimmer zu schmuggeln.
Das Ehepaar klebt aneinander wie Kaugummi an der Jeans und lässt sich nicht davon abbringen, dass es eine – Entschuldigung – beschissene Idee war, zu einem Notfalltermin einfach mal noch einen Patienten mitzubringen.
Außerdem versteht der werte Herr Krummwirbel nicht, dass er zu spät ist. Sein Termin war vor fast einer Stunde – und jetzt kommt er tatsächlich, will direkt ins Zimmer durch UND noch eine weitere Patientin ohne Termin mitnehmen? Hackt es!? So eine Dreistigkeit!

Und wir dürfen es leider nicht verbieten, eine Begleitung mit ins Zimmer zu nehmen, wenn der eigentliche Patient darauf besteht, Chefsache.
Frau Krummwirbel würde während der Behandlung ihres Mannes still im Zimmer sitzen und dann einen passenden Moment abpassen, sie habe ja auch Schmerzen in den linken Zehen.

Und Doc Patientenversteher wird sie angucken und reden und reden lassen.

Mittwoch.
12:46 Uhr.
Wir haben seit 46 Minuten Mittagspause.
Mordgelüste.
Doc Patientenversteher lässt noch immer reden.

Werte Patienten.
Termine sind einzuhalten, und „einfach mal so“ noch die Omma, die Cousine der Katzensitterin oder die Nachbarin mitzubringen, ist keine gute Idee.
Besonders wenn man aus Nettigkeit eingeschoben wurde.
Und dann noch Vorzugsbehandlungen verlangen, das geht gar nicht. Gar nicht.

[Praxisalltag] Termin vereinbaren lassen

Praxisalltag

Vor einer Weile habe ich für den Helden einen Termin beim Augenarzt vereinbart. Nicht, weil er nicht selbst wollte, sondern weil er schlicht und ergreifend nicht konnte. Univorlesungen waren Schuld, und seine Pause fiel in die Mittagspause der Arztpraxis – keine Chance. Onlineterminierung machen hier die wenigsten Praxen.

Als ich ihm abends den Arzttermin mitteilte, hat er gefragt, ob die irgendwie komisch reagiert hätten – weil ich einen Termin für jemand anderen mache. Ehm.. huch?
Viele Leute scheinen das zu denken. Und ganz viele schieben die Terminvereinbarung dann lieber soweit hinaus, bis sie selbst anrufen können, auch in akuten Fällen.

Warum weiß ich allerdings nicht. Die MFA interessiert das wenig, warum der eigentliche Patient nicht selbst anruft. Die will nur ihren Terminplan voll bekommen, und wenn dein Freund/Mann/Haustier da reinpasst – wunderbar.

Wichtig für die Terminvergabe sind Name, Geburtsdatum, Versicherung und Telefonnummer.
Eine Kurzfassung der Krankengeschichte („Hat Knieschmerzen seit ca. sechs Monaten, kein Unfall“) ist auch immer gut. Und natürlich sollte man eine leise Idee haben, wann der betreffenden Person ein Termin in den Plan passt – es nutzt nichts, wenn du mir am Telefon alle Infos geben kannst und dann bei vier vorgeschlagenen Terminen sagen musst „Oh, da weiß ich nicht, ob das passt!“.

Sagen wir mal, ich vergebe am Tag ungefähr 15 Termine. Von diesen 15 sind mindestens die Hälfte nicht selbst vereinbart. Wegen Uni oder Arbeit, von wo aus man nicht einfach mal schnell anrufen kann, weil der Chef es mitkriegen könnte oder die Kollegen und auf’m Klo hat’s nun mal kein Netz. Oder oder oder – mich als MFA interessiert das überhaupt nicht. Ich frage meine üblichen Sachen ab und vergebe einen Termin, Ende. So wie jede andere Helferin auch.

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